Bei strahlendem Sonnenschein zog ich los, auf kleinen Straßen die im Kilometerabstand etwa eine Farm streiften und ansonsten sich kurvig durch die grüne Landschaft zogen. Kaum vorstellbar für mich, das Leben der Menschen in jenen abgelegenen Häusern, die wohl eine gute halbe/dreiviertel Stunde Autofahrt von der nächsten Ortschaft entfernt wohnen und dabei noch nicht einmal einen Farmbetrieb zur Selbstversorgung führen.


Die geteerte Straße ging bald in einen Schotterweg über, der dann nach einigen Kilometern im Wald verschwand: so hatte ich mir meine Route gewünscht. „Wald“ meint hier jedoch nicht einen schlichten Nadelwald, sondern ein Geflecht von Palmen, großblättrigen Sträuchern, Luftwurzeln, vermoderten Baumstümpfen aus denen parasitenartiges Gras wächst, Silberfarn und wilden Bächen, die sich rauschend zwischen durch ziehen – kurz: ein Urwald, wie man sich ihn wohl als Entdecker einer unbesiedelten Insel vorstellt. Auch diesmal beschloss ich kurzer Hand, mein Fahrrad am Straßenrand abzustellen und zu Fuß einem etwas größerem Trampelpfad zu folgen; als Kiwi-Zone (hier der Vogel gemeint) war dieser ausgezeichnet. Besonders schön hier war ein wild umwachsener See, dessen Wasser so klar war, dass man Seepflanzen auf dem Grund ohne Mühe erkennen konnte. Vom Kiwi selbst war leider keine Spur, der hatte wohl besseres zu tun.


Während meiner ~2stündigen Fahrt durch den Wald kamen mir genau 5 Jeeps entgegen und da die Kiwis auch „ausgeflogen“ waren (fliegen können sie übrigens nicht!), hatte ich die Straße ganz für mich allein. Die vielen unbekannten, verschiedenen Pflanzen, deren dichtverwachsene Geflechte und die vielen unterschiedlichen Grüntöne fesselten mich geradezu und waren bisher mit Abstand das größte Erlebnis meiner beiden Ausflüge.


Noch etwas interessanter wurde es, als der Weg sich auf einmal in zwei Richtungen aufteilte, am Wegrand nichts weiter als 2 Schilder mit Straßennamen (Mountain Rd & No2 Rd). Wieso bleiben die angrenzenden Ortschaften unerwähnt? Ist man nun stolzer Besitzer von Kartenmaterial, das man sich aus diversen Tourist-Information Centern zusammen geklaubt hat, wird dieser Straßenverlauf (wenn überhaupt) unter einem breiteren „Mittelweg“ zusammen gefasst. Wie man das schließlich auf die Weggabelung überträgt, bleibt jedem selbst überlassen. In solchen Situationen ist es immer gut, ein Handy bei sich zu haben; dass es dort kein Netz findet ist wieder ein anderes Problem..Glücklicherweise hatte ich, bei einer Garage-Aufräum-Aktion letzte Woche, eine sehr detaillierte Karte zur Bay of Plenty gefunden und bei Seite gelegt.

Ganz im Stich lassen wollten die Straßenarbeiter die Reisenden dann aber anscheinend doch nicht: einer von ihnen hatte sich ein Herz genommen und mit ZWEI Warnhütchen auf ein kleines Loch am Straßenrand aufmerksam gemacht – das war ihm wichtig.
Erwähnenswert ist schließlich noch der Rotoiti Lake und dessen „Ablauf“ über die Okere Falls in den Kaituna River. Eine beachtliche Menge Wasser, die dort etwa zehn Meter in die Tiefe rasselt. Vielleicht klappt es, ein erstes kurzes Video dazu hochzuladen – ansonsten ist hier noch ein Bilde davon..
Die runde Trommel (im Video unten rechts) wurde einst zur Stromgewinnung genutzt.
Nicht übel - Wassergaragen fürs private Renn-Schlauchbot ;)

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