Friday, April 04, 2008

Art Déco in Napier

Die Wochen der zweiten Jahreshälfte ziehen so schnell vorbei, ich komme kaum hinter her, über sie zu berichten. Wieder einmal schreibe ich über einen Trip, der bereits einige Wochen zurückliegt.

In der Woche vom 11.-17. Februar fand in Napier (Ostküste) das traditionelle Art Déco Festival statt. Kurz zum Begriff: Art Déco ist eine Stilbezeichnung für Kunsthandwerk und Malerei aus den 20er Jahren. Dabei ist diese ornamentale Stilrichtung nicht nur in der Kunst, sondern auch in der (Innen-)Architektur, der Kleidung und der Wohnausstattung dieser Zeit zu finden.

Der Grund, weshalb dieses Festival jährlich gerade in Napier stattfindet ist Folgender: Als es 1931 an der Ostküste zu einem starken Erdbeben (7,9 a. Richterskala) kam, wurde die damalige Stadt weitestgehend zerstört. In den Jahren danach wurde sie originalgetreu nachgebaut und restauriert und zwar von Architekten der Art Déco Epoche. Fast alle großen Gebäude und Straßen der Innenstadt wurden daher einheitlich im Art Déco (französisch »arts décoratifs«) konstruiert und Napier wurde so zu einer der meist geprägten Städte dieser Stilrichtung. Heute streitet sie sich mit Miami um den Titel der A. D. Welthauptstadt.

Zusammen mit einem Freund aus Österreich machte ich mich in dessen Van recht spät am Abend auf den 300 km langen Anfahrweg. Die Tatsache, dass es ein sehr alter Van war (Anschieben war Pflicht wenn der Motor warm war!!), veranlasste mich zum langsamen Fahren, sodass wir uns nach knapp 4 Stunden, um halb eins nachts immer noch auf der Straße befanden – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sich das laute Motorgeräusch in ein sanftes Brummen und schließlich in ein lautloses Rollen verwandelte: das liebe Tanklämpchen hatte uns im Stich gelassen und uns war der Sprit ausgegangen. Es blieb nichts anderes übrig, als mitten in der Nacht, 20 km vor Napier am Straßenrand einer Landstraße durch das nichts stehen zu bleiben. Mit lautem Zischen zogen große LKWs an uns vorbei, ließen den schiefstehenden Van nur so wackeln und wir begannen uns ernsthaft Sorgen zu machen, umgekippt im Straßengraben zu enden. Glücklicherweise blieb nach einigen vergeblichen ‚Auto-Anhaltversuchen‘ doch noch ein Auto stehen – Paul aus Napier, mit dem ich immer noch Email Kontakt habe brachte mich zur 7km entfernen petrol station. So erreichten wir gegen 2 am doch noch Minsiks placement (ICYE Südkorea) – geplant war gegen 9 pm ;).

Zu dritt machten wir uns Tags darauf auf in die Innenstadt – besichtigten die zahlreichen Veranstaltungen und genossen die festliche Atmosphäre:

Schön anzuhören - Filklore zum Frühstück, die Musikanten ordentlich gedressed..


- da konnte ich die Kamera leider nicht still halten..

Für dieses Festival-Wochenende war die gesamte Innenstadt lediglich Autos, Baujahr vor 1951 freigegeben, viele der anwesenden Leute waren im traditionellen Kleiderstil von 1930-1950 gekleidet und Musikanten brachten durch ihr Jazzspiel die Zuhörer zum Tanzen. Klein und Groß wurden auf Dampfwalzen durch die Stadt gefahren, Oldtimerparaden zogen durch die Straßen und Propellermaschinen boten Flugshoweinlagen am Himmel. Die Stimmung der Besucher war dementsprechend großartig: ein jeder war von der sehr authentisch wirkenden Atmosphäre aus vergangener Zeit begeistert.

..hier vor einem dampfbetriebenen Tracktor mit Schwungrad: mein bester Kumpel Minsik aus Südkorea und ich..

..Straßenpassage der Innenstadt, alle Häuserfronten einander sehr ähnlich, im Art Déco Stil..

..oft sah man ganze Familien einheitlich, traditionell-chic gekleidet. Man beachte hier den Schuhputzer..

..nicht nur motorisierte Fortbewegungsmittel aus älterer Zeit waren zu sehen, auch das gute, etwas unproportional wirkende alte Fahrrad tummelte sich in den Massen..

.. das Automobil-Aufgebot während der Parade war gigantisch: nicht nur waren die verschiedensten Modell und Wagentypen anzutreffen, auch waren diese bis ins kleinste Detail herausgeputzt und gepflegt..

.. sogar einige Rolls Royce wurden ausgeführt - Scheinwerferaus aus Gold..

.. auch ich zählte zu den glücklichen Schlüsselbesitzern..

.. cute - oder? ;P..

..Sonntag Morgen: ein soapbox-race stand auf dem Programm - faszinierend die Ideen mancher Leute..

..das darf natürlich nicht fehlen: eine Militärparade der in weiß gekleideten New Zealand navy..

..die Pilotenmüssen sich gut abgsprochen haben: alte Propellermadschinen ziehen während ihrer Flugshow Kondenzstreifen hinter sich her..




..und zuletzt noch ein Gruß aus Schottland: der Musikverein Napier konnte ebenfalls überzeugen:mit seinen Dudelsäcken und Trommeln zog er doodelnd durch die Stadt .

Tuesday, April 01, 2008

‚the sun doesn’t shine every day‘

Für all diejenigen, die sich das Video zum ‚Haka’ der Maori angesehen haben und die darin gezeigte Aggressivität und Kampfeslust der Maori Krieger nicht ganz ernst nahmen..

Wie bereits erwähnt arbeiteten Christian und ich seit Ende des Reisemonats auf Kaituna 8b1 - Gorsesägen. So auch an jenem Donnerstag vor einigen Wochen. Es war ein heißer Tag und ich beschloss, während der Mittagspause, noch vor dem Essen im Meer schwimmen zu gehen. Ich ging alleine vor zum Strand (noch zu K8B1 gehörend) und sah dort 2 ältere Frauen, eine davon Maori, beim Fische angeln. Da Chris und ich darüber nachdachten, in eine Angel zu investieren, war dies eine gute Möglichkeit, genauere Informationen dazu bei den Frauen zu erfragen - was für Fische gibt es, wie ‚verarzte‘ ich einem gefangenen Fisch, etc. In einem 10 minütigen Gespräch bekam ich einige Antworten.
Plötzlich sagte dann eine von ihnen, sie fühle sich unwohl, wenn ich bei ihr stünde und ich solle weggehen. Anfangsdachte ich, es sei nicht ernst gemeint, bis sie sich wiederholte und ich sie fragte, weshalb sie sich unwohl fühle. Sie antwortete nur, dass sie ihren Bruder anrufe, wenn ich nicht weg ginge. Auf meine Frage „weshalb?“ hatte sie auch schon das Handy am Ohr. Da ich einsah, nichts ändern zu können, ging ich zurück zum shelter.
Fünfzehn Minuten später, ich aß mein Mittagessen, stand auf einmal ein stämmiger, Win Diesel ähnelnder Maori vor mir und sagte, ich solle mit ihm vor zum Strand kommen und mit den Frauen reden - er sei ziemlich ‚pissed of’ und würde mich ansonsten „ausnocken“, ebenso wie Chris. Natürlich erschrak ich durch diese Drohung - ich hatte nicht damit gerechnet, nahm diese Aussage jedoch sofort ernst und zusammen mit Christian liefen wir Richtung Strand. Auf dem Weg trafen wir einen zweiten Maori, der uns auf seinem Quad-bike folgte. Ich stellte mich der Maori Frau gegenüber und entschuldigte mich bei ihr, sagte ich wolle keinen Ärger machen. Die Frau ignorierte meine Entschuldigung, schrie mich nur an. Während ich vor ihr stand, zuhörte, holte ihr Bruder (der Maori vom Schuppen) plötzlich aus und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Reflexartig zuckte ich zurück, zum Glück nur leichtgetroffen. Fassungslos und verängstigt von dieser Handlung, entschied ich mich sofort wegzurennen. Der Maori schien es auf eine Schlägerei abzusehen. Er verfolgte mich, den Strand entlang und nur knapp, durch Zickzack-Laufen konnte ich entfliehen. Nach einigen hundert Metern blieb er glücklicherweise stehen, beugte sich außer Atem nach vorn. Da ich mit einer Verfolgung auf dem Quad rechnete, verließ ich den Strand, rannte über die Dünen Richtung Landesinnere. Den Gedanken, zum Auto zu rennen und von innen die Türen zu verriegeln, verwarf ich, da der Weg dorthin zu lang war und die Verfolger mich dort wohl vermuten würden. Ich entschied mich, in den Gorsebüschen unterzutauchen und abzuwarten. Die Quadverfolgung brachen die beiden Maori schließlich ab: sie hatten mich glücklicherweise verloren. Nach etwa 15 Minuten - Christian hatte schon ein paar Mal nach mir gerufen, kam ich aus meinem Versteck und wir fuhren davon. Im Auto war ich wieder im Besitz meines Telefons, rief sofort meine Organisation an, die mein Vorhaben, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, unterstützte.

Nach dem Besuch beim Arzt/ Radiologen(nichts kaputt!) wurden Chris und ich von ICYE NZ zu einem Meeting ins Office gerufen:
Es wurde festgelegt, dass wir auf Grund von Sicherheitsmängeln nicht länger auf Kaituna 8B1 selbst arbeiten können. Statt dessen wurde der körperliche Teil unserer Arbeit nach Gideons Fields verlegt – ein kleiner Park, über den ich bereits berichtet habe. Wir werden allerdings weiterhin bei Des wohnen und auch für die letzten Monate Administrationsarbeiten für K8B1 übernehmen.

Der Grund, weshalb die Maori so reagiert haben, ist mir bis heute nur teilweise klar. Die Frauen waren verängstigt - womöglich durch meine Arbeitskleidung und die einsame Gegend bedingt. Wieso der Maori allerdings sofort handgreiflich wurde, obwohl von mir keinerlei Provokation oder Drohung aus ging, weiß ich nicht.
Ich hoffe, zusammen mit Des und Brian, ein angesehener Maori chief von Tauranga, mit dem wir von nun an arbeiten, näheres über die Gründe heraus finden zu können - ich werde berichten..