Für all diejenigen, die sich das Video zum ‚Haka’ der Maori angesehen haben und die darin gezeigte Aggressivität und Kampfeslust der Maori Krieger nicht ganz ernst nahmen..
Wie bereits erwähnt arbeiteten Christian und ich seit Ende des Reisemonats auf Kaituna 8b1 - Gorsesägen. So auch an jenem Donnerstag vor einigen Wochen. Es war ein heißer Tag und ich beschloss, während der Mittagspause, noch vor dem Essen im Meer schwimmen zu gehen. Ich ging alleine vor zum Strand (noch zu K8B1 gehörend) und sah dort 2 ältere Frauen, eine davon Maori, beim Fische angeln. Da Chris und ich darüber nachdachten, in eine Angel zu investieren, war dies eine gute Möglichkeit, genauere Informationen dazu bei den Frauen zu erfragen - was für Fische gibt es, wie ‚verarzte‘ ich einem gefangenen Fisch, etc. In einem 10 minütigen Gespräch bekam ich einige Antworten.
Plötzlich sagte dann eine von ihnen, sie fühle sich unwohl, wenn ich bei ihr stünde und ich solle weggehen. Anfangsdachte ich, es sei nicht ernst gemeint, bis sie sich wiederholte und ich sie fragte, weshalb sie sich unwohl fühle. Sie antwortete nur, dass sie ihren Bruder anrufe, wenn ich nicht weg ginge. Auf meine Frage „weshalb?“ hatte sie auch schon das Handy am Ohr. Da ich einsah, nichts ändern zu können, ging ich zurück zum shelter.
Fünfzehn Minuten später, ich aß mein Mittagessen, stand auf einmal ein stämmiger, Win Diesel ähnelnder Maori vor mir und sagte, ich solle mit ihm vor zum Strand kommen und mit den Frauen reden - er sei ziemlich ‚pissed of’ und würde mich ansonsten „ausnocken“, ebenso wie Chris. Natürlich erschrak ich durch diese Drohung - ich hatte nicht damit gerechnet, nahm diese Aussage jedoch sofort ernst und zusammen mit Christian liefen wir Richtung Strand. Auf dem Weg trafen wir einen zweiten Maori, der uns auf seinem Quad-bike folgte. Ich stellte mich der Maori Frau gegenüber und entschuldigte mich bei ihr, sagte ich wolle keinen Ärger machen. Die Frau ignorierte meine Entschuldigung, schrie mich nur an. Während ich vor ihr stand, zuhörte, holte ihr Bruder (der Maori vom Schuppen) plötzlich aus und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Reflexartig zuckte ich zurück, zum Glück nur leichtgetroffen. Fassungslos und verängstigt von dieser Handlung, entschied ich mich sofort wegzurennen. Der Maori schien es auf eine Schlägerei abzusehen. Er verfolgte mich, den Strand entlang und nur knapp, durch Zickzack-Laufen konnte ich entfliehen. Nach einigen hundert Metern blieb er glücklicherweise stehen, beugte sich außer Atem nach vorn. Da ich mit einer Verfolgung auf dem Quad rechnete, verließ ich den Strand, rannte über die Dünen Richtung Landesinnere. Den Gedanken, zum Auto zu rennen und von innen die Türen zu verriegeln, verwarf ich, da der Weg dorthin zu lang war und die Verfolger mich dort wohl vermuten würden. Ich entschied mich, in den Gorsebüschen unterzutauchen und abzuwarten. Die Quadverfolgung brachen die beiden Maori schließlich ab: sie hatten mich glücklicherweise verloren. Nach etwa 15 Minuten - Christian hatte schon ein paar Mal nach mir gerufen, kam ich aus meinem Versteck und wir fuhren davon. Im Auto war ich wieder im Besitz meines Telefons, rief sofort meine Organisation an, die mein Vorhaben, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, unterstützte.
Nach dem Besuch beim Arzt/ Radiologen(nichts kaputt!) wurden Chris und ich von ICYE NZ zu einem Meeting ins Office gerufen:
Es wurde festgelegt, dass wir auf Grund von Sicherheitsmängeln nicht länger auf Kaituna 8B1 selbst arbeiten können. Statt dessen wurde der körperliche Teil unserer Arbeit nach Gideons Fields verlegt – ein kleiner Park, über den ich bereits berichtet habe. Wir werden allerdings weiterhin bei Des wohnen und auch für die letzten Monate Administrationsarbeiten für K8B1 übernehmen.
Der Grund, weshalb die Maori so reagiert haben, ist mir bis heute nur teilweise klar. Die Frauen waren verängstigt - womöglich durch meine Arbeitskleidung und die einsame Gegend bedingt. Wieso der Maori allerdings sofort handgreiflich wurde, obwohl von mir keinerlei Provokation oder Drohung aus ging, weiß ich nicht.
Ich hoffe, zusammen mit Des und Brian, ein angesehener Maori chief von Tauranga, mit dem wir von nun an arbeiten, näheres über die Gründe heraus finden zu können - ich werde berichten..
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