Sunday, May 04, 2008

Mt. Taranaki/ Egmont – ‚if you can see Taranaki, it’s going to rain and if you can’t see Taranaki it’s already raining!‘ (Sprichwort in dieser Region)

Vor ‚gar nicht allzu langer‘ Zeit – Datum will hier trotzdem besser unerwähnt bleiben – unternahmen mein Flatcollege Chris und ich einen Autotrip in den Süden. Erstes Ziel: das knapp 400 km entfernte Whanganui an der Westküste. Dank der langen Anfahrzeit von fast 5 Stunden, schlossen fast gleichzeitig mit unserer Ankunft dort auch alle Geschäfte und öffentlichen Einrichtungen der Stadt. Dadurch hatten wir zwar fast die ganze Stadt für uns alleine, beim Spaziergang durch das Stadtzentrum konnten wir das Opernhaus, Museen und Kirchen jedoch leider nur ‚von außen‘ bestaunen ;).

Das einzige Gebäude, das ‚Überstunden‘ machte, war der Stadtturm, der einen tollen Blick über die Stadt Whanganui, als auch über den Whanganui River bot. Zudem konnten wir von ‚da oben‘ gleich ein geeignetes Plätzchen für unser Zelt, direkt am Strand erspähen.

Am Abend sehr schön anzusehen - das kräftige Abendrot, das sich über den gesamten Himmel zog, als die Sonne am Horizont im Meer untertauchte..

Der nächste Morgen brachte leider Regen und so beschlossen wir kurzer Hand Whanganui gleich nach Zeltabbau, frühzeitig zu verlassen und uns Richtung Westen zur Taranaki Region und der nahe gelegenen Stadt New Plymouth auf zu machen. Die Region um den Vulkan und New Plymouth selbst kannte ich zwar bereits, die eigentliche Absicht dieses Trips war jedoch die Besteigung des 2518m hohen MT Taranaki/ Egmont. Als wir gegen Mittag in Stratford, einem größeren Dorf am Fuß des Berges ankamen, war vom Berg selbst keine Spur. Ein riesiges, weißes Wolkenmeer hatte den Berg samt Nationalpark drum herum umhüllt. Hätte ich den Berg vor einigen Monaten nicht schon an dieser Stelle gesehen gehabt, hätte ich wohl nichts weiter als einen Hügel an seinem Platz vermutet.

Auf der Suche nach Kartenmaterial für die Bergbesteigung im Visitor Centre bestätigte die zuständige Dame unsere Bedenken an einem Aufstieg - meinte, dass es auf Grund des schlechten Wetters zu gefährlich sei; bereits 60 Opfer habe es dort auf Grund schlechter Wetterverhältnisse gegeben. Der Aufstieg musste also auf den folgenden Tag verschoben werden, mit der Hoffnung, nach einem Tag in New Plymouth bessere Bedingungen vorzufinden.

Der (angeblich!) weltbekannte Coastal Track um New Plymouth..

.. auch wenn das Mittagessen (warm gemachte Spaghetti vom Vortag und ein tuna/cheese sandwich) nicht der 'Hingucker' war - die Aussicht verdient es, erwähnt zu werden..

.. auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz: Mt Taranaki am Abend

Nach einer frischen Nacht auf einem kleinen Rastplatz gleich neben der Zufahrtsstraße, im Egmont Nationalpark klingelte um 7am der Wecker. Glücklicherweise stellten sich die Regentropfen, die wir auf unser Zelt schlagen hörten schnell als Kondenswasser heraus und ein wolkenloser Himmel lag über uns. Unglaublich: wo sich tags zuvor die Wolken nur so türmten war kein Wölkchen zu erkennen. Dies änderte sich allerdings beinahe minütlich: kleine Wolkenschleier, dichter Nebel und total freier Himmel waren ständig im Wechsel miteinander.

Vom Parkplatz aus startete mit uns ein allein reisender, etwa 50 jähriger Japaner mit einen winzigen Backpack auf dem Rücken, in dem eine halb volle Diät Cola Flasche steckte. Wir beachteten ihn nicht weiter, überholten ihn in der ersten Kurve und scherzten, wie weit er mit der halb vollen Flache wohl kommen würde. Es folgte ein beeindruckender Einstieg durch ein ziemlich steiles Tal und einen schmalen Tunnel hinauf zu einer Skiliftstation. Bereits hier begannen die nicht vorhandenen Wegweiser Schwierigkeiten zu machen. Glücklicherweise sahen wir eine kleine Gruppe den Skilift hinauf laufen, der wir folgten. bis zum Geröllfeld folgen. Der steile Aufstieg verlangte einiges, doch wir konnten die kleine Wandergruppe abhängen und hatten auch das Gefühl, recht schnell vorangekommen zu sein, bis wir dann plötzlich etwa 299 Meter voraus den vom Startplatz bekannten kleinen Rucksack laufen sahen. Der Japanier schien seine Weg durch das weglose Gebiet zu finden und da der Skilift am Geröllfeld endete, beschlossen wir, uns ihm anzuhängen.

Einstieg - wenige Meter nach dem Parkplatz..

.. nach den ersten 100 Höhenmetern: beeindruckende Sicht über die von Lavaströmen und Bächen geformte Landschaft am Fuß des Berges..

..gerade dabei von den Wolken eingehüllt zu werden: Aussicht über die Küstenlinie Richtung New Plymouth..

.. steiles Endstück: Chris und der Japaner auf den letzten Metern..

.. durch den Nebel irrend..

Der Aufstieg über das scharfkantige Lavagestein war steil und die Temperaturen änderten sich ständig, bedingt durch den schlagartigen Wolkenwechsel: eine grandiose Weitsicht über die Küste (links und rechts!) wurde in wenigen Minuten bis auf 4-5 Meter reduziert. Glücklicherweise klarte der Himmel auch immer wieder auf, sodass wir unser Picknick am Gipfel mit einer Rundsicht – fast 360°! genießen konnten.

Gipfelfoto: glücklicherweise bei wolkenlosem Himmel..

Der Abstieg zeigte sich jedoch problematisch. Chris und ich machten uns früher als der Japaner an den Abstieg und landeten recht bald an einer steilen, etwa 3 Meter tiefen Stufe, die nicht zu überwinden und uns beim Aufstieg noch nicht begegnet war. Diese zu umgehen wäre nicht schwer gewesen, hätte man sich bei einer freien Sicht orientieren können. Da wir nicht wussten, in welcher Richtung genau unser Parkplatz lag und wir uns auch nicht an markante Stellen vom Aufstieg erinnern konnten, war die Frage, ob wir die Stufe nach links oder nach rechts umgehen sollten. Wir beschlossen schließlich nach dem Japaner zu rufen, der mit seinem Kompass helfen konnte. Leider hatte auch er die Orientierung verloren und auch sein Kompass konnte nicht helfen, da er vergessen hatte, am Gipfel zu messen. Wir folgten also seinem Instinkt und versuchten das Hindernis linkherum zu überwinden. Die Entscheidung stellte sich als falsch heraus, denn nach einer halben Stunde bergauf Laufen lag die Stufe immer noch vor uns. Wir begannen unruhig zu werden...

Es würde zu weit führen, nun noch weiter ins Detail zu gehen, jedenfalls waren wir alle drei sehr froh, letztendlich wieder am Parkplatz angekommen zu sein. Unglaublich: wir hatten lediglich zweieinhalb Stunden für den Aufstieg und ganze 4 Stunden für den Abstieg gebraucht..

Kaum eine Möglichkeit zur Orientierung: während des Abstieges zog es zu... und nicht mehr auf

Noch kurz zur Geschichte des Mt. Taranaki (nicht aus der Sicht eines Geologen, sondern eines Maori): Mt. Taranaki, ein Berggott, lebte einst friedlich mit den anderen Göttern Tongariro, Ruhapehu und Ngauruhoe (drei Vulkane im Zentrum der Nordinsel) zusammen. Als Mt Tongariro ihn beim Liebäugeln mit seiner Geliebten, der schönen Pihanga – einem Vulkan in der Nähe von Lake Taupo, erwischte, kam es zum Streit zwischen den beiden. Mt Tongariro war so wütend über diesen Betrug, dass er seinen Gipfel wegsprengte und ein Kampf ausbrach, bei dem sich die Erde schüttelte und der Himmel schwarz wurde. Schließlich stellte sich Pihanga auf Tongariros Seite. Der tieftraurige Mt Taranaki verließ daraufhin die anderen Berge und machte sich in Richtung der Sonne zur Küste auf. Voller Wut, Schmerz und Schande schuf er auf seinem Weg dorthin ein weites Tal, das den Whanganui River bildete. An seinem heutigen Platz ließ er sich schließlich nieder, ganz und gar isoliert von den anderen Bergen, sein Gesicht hinter Tränenwolken versteckend.

Ist das nicht ein hartes Schicksal?