Thursday, March 13, 2008

Zwischenbericht

Puenktlich zum Ende der ersten Jahreshaelfte fand jeder Zivi hier in Neuseeland ein Schreiben von unserer Austauschorganisation in seinem Postfach, worin an unsere Pflicht, einen Halbjahresbericht fuer kommende Zivildienstleistende zu schreiben, erinnert wurde. Um denjenigen unter euch, die mangels Zeit o.ae. nur unregelmaessig meine Berichte lesen, eine knappe Uebersicht zu geben, habe ich mich entschieden, meinen Report hier hochzuladen. Viel Spass beim Lesen, seba..


Rückblickend auf das letzte halbe Jahr muss ich sagen, dass es, trotz der Kürze der Zeit, sechs sehr ereignisreiche Monate für mich waren. Sei es die Arbeit, die vielen Ausflüge, das Kennenlernen von neuen Freunden oder auch nur der einfache Abend zu Hause - aus allen Bereichen könnte ich interessante Geschichten und lustige Erlebnisse erzählen.

Um euch eine bessere Übersicht zu schaffen, werde ich versuchen, über ein paar verschiedene Bereiche ein wenig zu schreiben, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen.

Die meiste Zeit in Neuseeland verbringe ich wohl mit meinem Arbeitsprojekt: Kaituna 8B1. Im Austausch mit anderen Exchangees wurde mir dabei schnell bewusst, dass es sich hierbei um ein sehr viel breiteres Aufgabengebiet handelt, als das normalerweise der Fall ist. Hierzu eine Kurzübersicht:
Kaituna 8B1 ist der Name eines Stück Landes (~38 ha), nahe Papamoa/ Tauranga, das im Besitz einiger Maori ist und das ihnen aus geschichtlichen Gründen sehr viel bedeutet. Die Frage, die sich den Maori stellt lautet ‚was soll mit diesem Land in Zukunft geschehen? Da es sich im Einzugsgebiet eines geplanten Baugebiets befindet, ist eine schnelle Entscheidung nötig, um nicht die Kontrolle darüber zu verlieren. Zu diesem Zeitdruck kommen auch noch einige Probleme ökologischer Art hinzu, wie z.B. das weit über den Blog verbreitete Gorse (Stachelgewächs) und das aus der Stadt kommende, verschmutzte Regenwasser, das sich in 8B1 aufstaut.
Zur Unterstützung der Maori-Landvertreter, setzten Christian, ein weiterer FSJler und ich an diesen Problemen an. Unser Arbeitsgebiet teilte sich dabei in körperliche Arbeit und in Verwaltungstätigkeiten auf: das Gorse musste mit diversem Werkzeug entfernt werden und Verhandlungen mit der Stadtverwaltung und verschiedenen Entwicklungsplanern waren nötig, um beispielsweise Verbesserungen der Wasserqualität zu fordern oder über zukünftige Entwicklungsrichtungen zu diskutieren. Dabei nahmen wir unter anderem auch an ‚hearing panels‘ – öffentlichen Diskussionen der Stadt mit Forschern und Wissenschaftlern, sowie anderen Landbesitzern teil und formulierten ein Forderungsschreiben für die Handhabung der Wasserentsorgung in Papamoa aus. Andererseits beschäftigten wir uns aber auch mit dem Auswerten von Geschichts- und Forschungsberichten zu diesem Stück Land und füllten ‚funding‘ Anträge aus, um Geldgeber für das Land zu finden.

Kaituna 8B1 Block, beim Gorse schneiden

Diese Aufgaben boten somit zum einen ein gutes Sprachtraining, zum anderen bekamen wir aber auch einige Einsichten in den Aufbau einer städtischen Entwicklungsplanung. Das Verhältnis von Büroarbeit und Arbeit im Freien würde ich als ausgeglichen beschreiben, zumal wir teilweise auch in diversen Parks als „Aufräumungskommando“ bzw. für Instandhaltungsarbeiten eingesetzt wurden.
Durch die abwechslungsreiche Tätigkeiten, aber auch die verschiedenen Meetings, die uns in Kontakt mit vielen verschiedenen Berufen und Firmen brachte, machen die Arbeit für mich sehr anspruchsvoll/ lehrreich und lassen mich gerne mit ihr beschäftigen.

Nichtsdestotrotz versuche ich natürlich, meine freie Zeit am Wochenende so gut es geht, mit Ausflügen und Aktivitäten zu verbringen, um die hiesige, vielseitige Landschaft und die Interessen der Kiwis kennenzulernen. Gleich zu Beginn meines Jahres habe ich mir dazu ein Fahrrad zugelegt, mit dem ich des Öfteren 1-2 Tage Trips gemacht habe. Auch Wanderungen in größeren und kleineren Gruppen durch die Vulkan- und Urwaldlandschaften Neuseelands habe ich zusammen mit anderen ICYE Exchangees organisiert und unternommen, sodass ich nicht nur Neuseeländer, sondern auch Franzosen, Südkoreaner und einen Nepalesen kennen gelernt und gute Freunde gefunden habe.

Cape Reinga, vertreten sind Südkorea, Taiwan, Nepal und Deutschland

Tongariro Crossing, früh am Morgen

Als ich während meines ‚travel month‘ die Nordinsel Neuseelands durchreist habe, ist mir ein großer Unterschied zwischen der Art des Reisens und der damit verbundenen Gastfreundschaft der Neuseeländer aufgefallen. Dazu muss ich sagen, dass ich zu Beginn meines Neuseelandaufenthaltes das Buch von Dieter Kreuzkamp „ Am schönsten Ende der Welt – Neuseeland“ gelesen habe, worin er seine Reise per Fahrrad durch das Land beschreibt und immer wieder auf die einzigartige Gastfreundschaft der Kiwis zu sprechen kommt, die ihn überall ansprechen und begeistert zu sich nach Hause einladen. Dies kam mir zum Teil etwas unglaubwürdig vor. Während meiner Autoreise, zusammen mit meiner Freundin, fühlte ich mich in meinem Gedanken bestätigt: wir fanden zwar hin und wieder Familien, in deren Gärten wir uns niederlassen konnten, einige Male wurde unsere Anfrage jedoch zurückgewiesen. Ganz anders erging es mir jedoch, als ich mit meinem Vater für sechs Tage mit dem Fahrrad unterwegs war: des Öfteren wurden wir angesprochen, ob wir nicht auf eine Tasse Tee vorbeikommen, oder im Hintergarten unser Zelt aufbauen wollten. In Gisborne wurden wir von einer Frau im Supermarkt zum Abendessen eingeladen und wieder wo anders wollte der Wirt einer kleinen Kneipe partout kein Geld für sein Abendessen annehmen. Das erinnerte mich direkt an mein Buch zurück, wo sich wohl doch alles wie beschrieben ereignet hat! Wenn ihr hier also neben dem Reisen auch in Kontakt mit Einheimischen kommen wollt, betätigt euch sportlich ein wenig – das lieben die Kiwis!


Sebastian Cadus

(sebacadus.blogspot.com)

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